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Der leere Platz am Weihnachtsbaum

Ein leerer Platz am Weihnachtsbaum

Wir haben unsere Freunde auf Facebook gefragt, wie sie Weihnachten verbringen werden, jetzt, da jemand fehlt. Die Weihnachtsfeiertage haben wie viele andere besondere Tage wie Geburtstag, Todestag oder Hochzeitstag im Laufe des Jahres eine Eigenschaft: Sie verstärken das derzeitige Gefühl.

Geht es uns gut und sind wir glücklich, dann fühlen wir uns an diesen Tagen noch ein wenig besser, dann können wir diese besinnliche Zeit genießen und uns freuen.

Sind wir dagegen traurig, fühlen wir uns belastet – dann ist Weihnachten für uns eine große Herausforderung, denn wir werden in diesen Tagen besonders an unsere Lieben erinnert, die nicht mehr unter uns weilen. Und wir würden doch so gerne mit ihnen gemeinsam feiern!

Die Antworten der Trauernden fallen ganz unterschiedlich aus und zeigen die ganze Bandbreite der Stimmungen, in denen sich Trauernde befinden.

Manche wissen noch nicht, wie sie diese Tage verbringen sollen, andere möchten sich am liebsten verkriechen und Weihnachten verschlafen. Doch es gibt auch oft die Meinung des „jetzt trotzdem, sie hätten es so gewollt!“

Ich habe symbolisch den schönsten geschmückten Zweig vom Christbaum abgeschnitten und ihm zum Grab gebracht, somit sah man am Baum "dass was fehlt." Ich habe sein Foto in der Wohnküche stehen, ich spreche mit ihm. Ich weiß, was er antworten würde. Ich kann ihn nicht anfassen, aber er ist da. Wir feiern wie immer mit ihm zusammen. Das lasse ich vom Tod nicht verhindern.
Mit dem Rest der Familie die Tage verbringen und zu schätzen wissen, was ich noch habe.
Bei mir wird alles Geschmückt und es gibt viele Lichter. Meine beiden Brüder haben Weihnachten geliebt, für sie mache ich das. Vielleicht sehen sie ja von oben die Lichter. Man muss nur daran glauben.
Seit Papa nimmer da ist, ist es kein richtiges Weihnachtsfest mehr.
Es wird nie wieder schön sein, nie mehr wie früher. Aber für die Hinterbliebenen muss es weitergehen und das ist auch richtig so. Denn auch unser Leben endet irgendwann.
Wir gehen am Weihnachtsabend mit unseren Hunden zum Grab unseres Sohnes. Ich bin mir sicher: Die vor uns gegangen sind, bekommen alles mit.
So gut es geht: ignorieren!
Ohne Papa ist es sowieso nie mehr das, was es mal war!
Ich werde eine Weihnachtsmütze aufsetzen und ein Glas Whisky trinken! So wie letztes Jahr! Das letzte Weihnachten mit meinem Papa!
Es wird sehr schwer, aber niemand muss allein sein.
Bei uns wird von der Kirche angeboten, dort mit anderen Leuten, die ein ähnliches Schicksal haben, zu verweilen.
Wir feiern Weihnachten sehr intensiv. Es ist die Zeit der Emotionen. Glück und Trauer sind so nah. Meine Muttsimaus trage ich das ganze Jahr im Herzen, aber zu Weihnachten ist die Sehnsucht am größten. Dann gebe ich mich dem Gefühl hin. Trauern, weinen und Gedenken an die lieben Menschen, die nicht mehr sind.
Habe wirklich Angst vor den Feiertagen und werde vermutlich über die Feiertage alleine wegfahren, obwohl es das auch nicht besser macht, denn die Gedanken und Emotionen sind nun mal da.
Da ich aber zwei Söhne habe, werden wir versuchen, das Beste draus zu machen.
Wir werden Weihnachten "feiern" genauso wie unser Sohn, Bruder, Freund es gewollt und geliebt hätte! Alle beieinander!
Da meine ehemalige Arbeitskollegin auch alleine ist, habe ich sie zu uns eingeladen. Sie war total erschrocken, dachte, ich mache Scherze. Nur so ist keiner ganz alleine und wir können zusammen lachen, weinen, feiern.
Es gibt nichts zu feiern ohne meinen Papa. Nie wieder.
Ich fühle mich allein gelassen und vermisse sie jeden Tag. Ich werde zum Gottesdienst gehen und dann den Abend allein verbringen mit meinen Hund.
Heulen.
Auch wenn der Partner gestorben ist und keine Kinder da sind: Geht raus, verkriecht euch in diesen Tagen nicht. Geht viel spazieren oder zu Freunden oder Nachbarn.
Es ist zwar komisch, dass jemand fehlt, aber ich finde, durch das gemeinsame Feiern ist die Person doch irgendwie, z.B. im Gespräch, präsent bzw. in unserer Mitte und das find ich schön so.
Ich weiß noch nicht, was ich tun soll.
Den Kindern zuliebe reißen wir uns jedes Jahr zusammen.
Weihnachten hat bei mir an Wert verloren. Es ist nicht mehr so, wie es mal gewesen ist.
Ich hatte die Wahl und habe mich für „Kopf hoch und durch“ entschieden. Habe es nicht bereut.
In Polen hat man an Weihnachten immer ein Gedeck und einen leeren Stuhl am Tisch bereit. Das ist dort der Brauch.
Wir werden Luftballons in den Himmel steigen lassen mit einem Gruß an die Lieben.
Ich möchte die "heilige Nacht" in aller Stille feiern.
Alle Türen und Fenster zu, nichts hören und sehen.
Sie würden wollen, dass ich und meine Familie es so gestalten wie immer.
Ich arbeite Weihnachten immer im Spätdienst.
Es wird anders als die letzten Jahre werden, aber ich bin nicht allein. Dies zählt. Es ist schmerzlich, dennoch muss es weitergehen.
Weihnachten gestalte ich für meinen Kater, das wars. Gehe Heiligabend in die Kirche, lasse danach meinen Gefühlen freien Lauf.
Weihnachten ist nicht mehr, was es mal war.

So unterschiedlich die Meinungen zum Weihnachtsfest in einer Trauer sind, lässt sich doch ein Rat geben: Das aktive Angehen der Trauer ist gerade zu den besinnlichen Tagen eine Erleichterung.

Es kann helfen und die Trauer zumindest etwas erträglicher machen, sich vorher zu überlegen, wie diese Tage gestaltet werden können. Vielleicht durch pure Ablenkung, Besuche bei und von lieben Mitmenschen oder auch durch Rituale.

Auf jeden Fall gilt: Wir werden auch nach den Weihnachtstagen für die Trauernden erreichbar sein! Jeden Dienstag findet unser Chat für Trauernde statt. Dort ist jeder Mensch in Trauer willkommen. Unter ebenfalls Betroffenen lässt es sich leichter reden.

Trauerhilfe Live-Chat

Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen
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